Je näher mir jemand steht, desto schwerer fällt mir das Nein.
Mit neun Jahren war ich in einem Schreibworkshop. Ich zog danach von Tür zu Tür durchs Dorf und verkaufte meine selbstgemachte Zeitung.
Irgendwann kamen zwei Freundinnen dazu und liefen mit. Ein, zwei Mal haben sie auch geklopft und etwas gesagt. Die Arbeit aber hatte ich gemacht.
Am Ende kamen 61 Schilling zusammen (ich bin Österreicherin). Und ich wollte sie fair durch drei teilen. Das Geld allein zu behalten hätte sich falsch angefühlt, die beiden waren ja mitgegangen. Ich überlegte sogar, wie wir den letzten Schilling aufteilen.
Zuhause schlug meine Mutter die Hände über dem Kopf zusammen: „Bist du wahnsinnig? Das war deine Zeitung und dein Verdienst!“
Ich war ein liebes Kind, harmoniebedürftig, und das bin ich lange geblieben. Mich selbst nach vorne stellen konnte ich schlecht, auch in früheren Partnerschaften.
Nach außen wirke ich heute anders und meistens weiß ich sogar, was ich (nicht) will, aber mir fällt es immer noch oft schwer, Nein zu sagen. Das ist mir jetzt zumindest bewusst und ich arbeite daran. Dazulernen darf ich schließlich jederzeit.